Entspannungsverfahren

Aus der Vielzahl verschiedener konzentrativer, meditativer, suggestiver und imaginativer Entspannungsverfahren möchte ich Ihnen das Autogene Training näher vorstellen, da diese Methode einfach zu erlernen und sehr effektiv ist. Diese Entspannungstechnik wird in Deutschland am häufigsten eingesetzt. Sie eignet sich auch für Kinder ab dem vierten Lebensjahr. Ich verwende gerne imaginative und meditative Verfahren zur Klärung seelischer Prozesse.

Das Autogene Training

Das Autogene Training wurde vom Berliner Nervenarzt Johannes H. Schultz  (1884- 1970)  in der zwanziger Jahren entwickelt und zu einer systematischen, autosuggestiven Entspannungsmethode aufbereitet.

 Entspannung

Schultz stützte sich auf Erfahrungen und Ergebnisse der Hypnosetherapie, bei der es zu messbaren, körperlichen Veränderungen, besonders im vegetativen Bereich kommt. Mittlerweile wird Autogenes Training, oft abgekürzt als AT, nicht nur in der Therapie eingesetzt, sondern auch zur Psychohygiene und als Entspannungstechnik u. a. in Schulen, Betrieben und Leistungssport. Die Grund- oder Unterstufe setzt sich aus mehreren hintereinander ausgeführten Einzelübungen zusammen:

  • der Schwereübung zur Entspannung der Muskulatur
  • der Wärmeübung zur Entspannung der Blutgefäße
  • die vier Organübungen für Herz, Atmung, Bauchorgane und Kopf

Mit zunehmender Übung breitet sich die Entspannung selbstständig über den Körper aus und zeigt eindeutige Resultate. Der Muskeltonus vermindert sich, die Herzfrequenz senkt sich, die Blutgefäße weiten sich, die Atemfrequenz reduziert sich. Die Darmtätigkeit wird angeregt und die Sinneswahrnehmung wird erhöht.
Die zunächst autosuggestiv ausgelösten, d. h. vom Übenden ausgeführten, willkürlich erzeugten, vegetativen Reaktionen werden konditioniert und abrufbar. Bei sehr gutem Training kann innerhalb von Sekunden eine vollkommene Entspannung und körperliche und emotionale Ausgeglichenheit erreicht werden.

Schultz beobachtete, dass im Entspannungszustand häufig Farben vor dem geistigen Auge erscheinen und Bilder, Erinnerungen, Tagträume und aktuelle Gefühle auftreten.

In der Oberstufe wird mit diesem Bildmaterial gearbeitet. Innerpsychische Prozesse können sich imaginativ offenbaren und sowohl persönlich als auch therapeutisch genutzt werden. Schultz spricht von der „fragenden Einstellung an die Versenkung“, die in offener Bereitschaft neue Einsichten kreativ fördert.
Das Verfahren der Oberstufe kann mit Vorsatzformeln unterstützt werden (z. B.
„Ich nehme mich an.“ „Ich bin achtsam.“)

Im Oberstufen AT gibt es keine Systematisierung, die Vorgehensweise orientiert sich individuell an den inneren Geschehnissen.

Anwendungsbereiche:

  1. Erholung, Entspannung (Überforderung, Erschöpfung, Arbeitsstörungen)
  2. Beruhigung (Stimmungsausgleich, Herabsetzung heftiger Affekte, Zwänge)
  3. Leistungsverbesserung (Steigerung körperlicher Leistung durch effizienten Umgang mit körperlicher Verausgabung, Leistungssteigerung im Beruf durch Angstreduktion, Optimierung der Leistung)
  4. Verbesserung der geistigen Funktionen (Verbesserung der Konzentration, des Gedächtnisses, der Merkfähigkeit, Kreativität)
  5. Schmerzreduktion (Schmerzen bei akuten und chronischen Erkrankungen, Vorbereitung zu operativen Eingriffen)
  6. Schlafstörungen (reaktive, funktionelle Schlafstörungen)
  7. Psychovegetative Störungen (innere Unruhe, Labilität, Ängste, Panikattacken, funktionelle Beschwerden wie Herzrasen, Durchfälle, Krämpfe, Schweißausbrüche, Hypertonus, Hyperventilation, Kopfschmerzen, Migräne, Bettnässen)
  8. Selbstbestimmung, Förderung innerpsychischer Erlebnisse und Einsichten.

Durch die breite Anwendung wird das Autogene Training auch als „Basistherapeutikum“ bezeichnet. Es ist gut mit anderen Entspannungsverfahren kombinierbar.