Traditionelle Ayurvedische Medizin

Die ayurvedische Medizin ist eine der ältesten und erstaunlichsten ganzheitlichen Heilweisen der Welt und hat für jeden Menschen, unabhängig von der geschichtlichen, kulturellen und persönlichen Situation, Bedeutung.

Durch die tiefen Einsichten in die Naturgesetze, durch das Verständnis der Individualität und die Vielzahl an Heilmethoden will der Ayurveda allen Lebewesen Gesundheit und Selbstentfaltung bieten.
Im Grunde ist die ayurvedische Medizin eine Wissenschaft der Selbstheilung, die auf die Wiederherstellung der Ganzheit und dabei letztlich auf das innere Selbst abzielt.

Ayurveda setzt sich aus den zwei Sanskritwörtern „ayus“ und „ veda“ zusammen. „Ayus“ heißt Leben, „veda“ heißt Wissen. Gemeint ist, dass wir mit den Weisheiten und dem hohen Wissen vom Leben unser körperliches, seelisches und geistiges Potenzial in ganzheitliche Entfaltung bringen können. Die heilende Tradition des Ayurveda basiert auf der Idee des Dharmas, des Naturgesetzes, d.h. auf den Gesetzen der Wahrheit und den Prinzipen, die das Universum und die Natur regieren, sollen wir unser Tun aufbauen, um eine positive Rückkoppelung des Universum zu erwirken.

 Ayurveda

Natürliche Heilung gründet auf dem Gesetz der Natur, bewusste Heilung folgt den Gesetzen des Bewusstseins.
Der Aufbau und die Sichtweise des Ayurveda stehen zur Schulmedizin konträr.
Das Studium der Anatomie beginnt nicht wie bei uns mit dem physischen, materiellen Körper, sondern mit einer „ kosmischen“ Anatomie, die das Woher des Menschen als allererstes ergründen will. Die fünf großen Elemente des Universums werden Prozess und Substanz unseres menschlichen Daseins.
ERDE, WASSER, FEUER, LUFT, ÄTHER symbolisieren feste Körper, Flüssigkeit, Wärme, Gas und Materieloses. Die Sinnes- und Bewegungsorgane nehmen sie auf und verarbeiten sie. Die Elemente sind nicht nur Ausdruck der Dichte der Materie, sie verkörpern auch eine spezifische Symbolik für Geist und Lebensenergie.
So drückt die Erde Solidität, Stabilität aus und bewahrt Form.
Wasser drückt Flüssigkeit, Bewegung aus und verkörpert die Idee des Lebens.
Feuer drückt Wahrnehmung, Wärme und Erwärmung aus und verkörpert die Idee des Lichts.

Luft drückt Bewegung, Richtung, Geschwindigkeit aus und verkörpert die Idee der Zeit, des Wandels, des Denkens.
Äther drückt Materieloses zwischen Materie aus und ist mit dem unendlichen All vergleichbar, das die Planeten und Sterne verbindet oder mit der materielosen Leere eines Atomkernes zwischen Kern und Elektron. Äther drückt die Idee der Verbindung, des Raumes und der Kommunikation aus.

Die fünf Elemente kommen in allen Lebewesen vor und bilden eine Homöostase. Mit der Lebensenergie, dem Prana, bilden sie die drei Doshas, die drei Lebenskräfte und Lebenssäfte, die den ständigen Anforderungen entsprechend auch ständigem Wandel unterworfen sind.
Dosha heißt: „das, was schnell aus dem Gleichgewicht kommt“. Fallen die Doshas aus dem Gleichgewicht, können Krankheiten entstehen.
Mit dem Zusammenwirken, dem Zusammenschluss der Elemente entwickelt sich die physische Natur der Doshas. Damit beginnt die physische Anatomie des Menschen. Das heißt die physische Anatomie beginnt mit den Urbausteinen der Materie und ihrer Gestaltung und sich entfaltenden Energien und Kräfte auf der Ebene von Körper, Seele und Geist.

Zwei Elemente fügen sich zu einem Dosha zusammen:

Das primäre Dosha heißt Vata, besteht aus Äther und Luft und bringt die Kraft der Beweglichkeit, des Antriebs. Die Essenz von Vata ist Prana, die Lebensenergie, aus der wir Lebensgeist und Bewußtsein schöpfen.
Vata sorgt dafür, dass die körperlichen und geistigen Bewegungen miteinander in Verbindung stehen. Vata koordiniert die Abläufe des Herzschlages, Pulses, der Atmung, Darmperistaltik, Zellteilung und scheidet Abfallprodukte des Köpers aus.
Die Sinnesorgane arbeiten perfekt durch Vatakraft, die Person ist begeisterungsfähig und kreativ.
Sein wichtigster Platz ist der Dickdarm. Er fördert die Energieproduktion, bildet auch ungesunde Gase, die Störungen des Nervensystems, der Verdauung und des knöchernen Bewegungsapparates auslösen können.
Das Pitta Dosha, die Kraft der „Verdauung, des Kochens und der Reifung“ besteht aus den Elementen Feuer und Wasser. Es steuert die körperliche, seelische und geistige Verdauung. Pitta gibt Mut, Vitalität, Intelligenz, Entschlossenheit.
Sein Sitz ist im Dünndarm und Magen, in den Schweiß- und Talgdrüsen, sowie in Blut und Lymphen.

Das Kapha Dosha , bestehend aus Erde und Wasser, erzeugt Stabilität und Form, bildet den Speicher für Pitta und Vata, also den Speicher für Energie und Wärme.
Sein Sitz ist in der Brust, im Hals und im Kopf.
Kapha befähigt uns zu Gefühlen, Liebe, Fürsorglichkeit, Harmonie, Hingabe und Beständigkeit.

Die physiologische Anatomie beschäftigt sich mit dem Aufbau, der Funktion und der ganzkörperlichen Bedeutung der Köpergewebe. Sind die Aktivitäten der Gewebe in gesunder Funktion, so ist die Basis der gesunden Emotionalität geschaffen wie Heiterkeit, Freude, Fürsorge, Mütterlichkeit, Liebe, Mut, Zufriedenheit und Begeisterung.
Nie ist ein körperliches Ereignis ohne seelische Regung zu verzeichnen.
Unsere Schulmedizin hat die körperlichen und geistig seelischen Beschwerden aufgespalten. Damit ist auch die Behandlung kategorisiert und reduziert auf die Bereiche der Somatik und Physis.

Aufgrund des ayurvedischen Medizinverständnisses sind Diagnose und Therapiespektrum breit, feinsinnig und vielfältig. Die anspruchsvolle Haltung von Patient und Arzt halten die Therapie wach und lebendig.

Die Therapie des Ayurveda nimmt Einfluss über

  1. Ernährung
  2. Bewegung (Yoga, Körper- und Atemübungen)
  3. äußere Behandlung (Ölanwendungen, Güsse, Auflagen mit Öl- und Kräuterextrakten, Schwitztherapie, u. a.)
  4. Innere Behandlung (Phytotherapie)
  5. Meditative Verfahren.

Indikationen:

Ayurvedische Therapie eignet sich sehr gut zur Behandlung von

  • vegetativen, funktionellen, seelischen Störungen (z. B. Erschöpfungszustände, Burnout-Syndrom, Ängste, Schlafstörungen, Depressionen, funktionellen Beschwerden wie Kopf-, Magen-, Darm, Unterbauchschmerzen)
  • rheumatischen Beschwerden (z. B. Arthrosen, Arthritis, degenerative Veränderungen, muskuläre Verspannungen, PCP, Fehlhaltung, Spannungskopfschmerzen, Bandscheibenprobleme)
  • Erkältungs- und Atemwegserkrankungen (z. B. grippale Infekte, Immunschwäche, Sinusitis, Asthma)
  • Kinderkrankheiten ( z. B. Allergien, Neurodermitis, Lernstörungen, Essstörungen, Schlafbeschwerden, Immunschwäche)
  • Herz-, Kreislaufstörungen ( z. B. Hypotonie, Hypertonie, nervöse Herzbeschwerden)
  • Hauterkrankungen (z. B. allergische Hautreaktionen, Psoriasis, Herpes simplex)
  • gynäkologische, urologische Erkrankungen, Augenerkrankungen, Altersbeschwerden.